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Klaus Zaugg über den Abgang von Marc Lüthi beim SCB und CEO Jürg Fuhrer

Juerg Fuhrer, neu ernannter CEO SCB, spricht waehrend einer Medienkonferenz des SC Bern, am Montag, 19. Januar 2026 in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Der neue Boss: Jürg Fuhrer.Bild: keystone
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Fuhrer beerbt Lüthi – auf einen Bürogeneral folgt beim SCB eine Büroordonanz

Eine Ära geht zu Ende. Marc Lüthi verlässt am 30. April nach 28 Jahren die grosse Sportbühne und geht in Pension. Der SCB wird nicht mehr sein, was er war und der Keim zu einer Bürointrige ist schon gelegt.
19.01.2026, 12:4119.01.2026, 13:18

SCB-Präsident Carlo Bommes ist sich der historischen Bedeutung des Augenblicks bewusst. Für gewöhnlich werden Neuigkeiten im schmucklosen, engen Medienraum im Parterre verkündet. Doch zu dieser Medienkonferenz hat er die VIP-Loge im ersten Stock des Hockey-Tempels herrichten lassen.

Der Vorsitzende beginnt die Medienkonferenz mit leiser Stimme. Er übergibt das Wort an Marc Lüthi. Und eine Ära ist zu Ende. Lüthi verkündet kurz, prägnant und ohne Emotionen – wie es die Art des streitbaren SCB-Bürogenerals nun mal ist – seinen Rücktritt.

Lüthi wird am 3. August 65 Jahre alt. Am 30. April wird er alle seine Ämter beim SC Bern niederlegen, also keinerlei Funktion mehr wahrnehmen und nur noch Matchbesucher sein. Nach 28 Jahren. Weil er nicht mehr der Mann sei, der den SCB in die Zukunft führen wolle und könne.

«Ich werde kein SCB-Vogel»

Das ehrt ihn. Nur wenigen Berühmtheiten ist es vergönnt, den Zeitpunkt zum Rücktritt selber wählen zu können und sich erst noch zum richtigen Zeitpunkt zu verabschieden.

Der Mann, der wie kein anderer den SC Bern gemanagt und geprägt hat, verspricht, er werde sich nicht einmischen. «Ich werde kein SCB-Vogel», sagt er, als Anspielung auf die ewige graue GC-Eminenz Erich Vogel. Eigentlich schade. Wer sorgt denn nun beim SCB wenigstens neben dem Eis für Unterhaltung?

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Gotthelf erobert Bern

Es wird keinen zweiten Marc Lüthi geben. Und wer ihn kopieren möchte, würde zum Clown. Daher ist die Nachfolgeregelung allein vom Persönlichkeitsprofil her perfekt: Nachfolger wird Jürg Fuhrer (53) aus dem emmentalischen Konolfingen. Ein Emmentaler übernimmt den SCB. Gotthelf erobert Bern.

Der Gegensatz zwischen Marc Lüthi und seinem Nachfolger könnte grösser nicht sein. Der charismatische, streitbare Macher wird durch einen leisen Teamplayer ersetzt. Freundlich, ohne Charisma. Seit 1999 in leitender Funktion bei einem Logistik-Unternehmen für Tierbedarf. Seit zwei Jahren im SCB-Verwaltungsrat. Um in der blumigen Sprache zu bleiben: Der SCB ersetzt den Bürogeneral durch eine Büroordonanz.

Marc Luethi, CEO SCB, gibt seinen Ruecktritt waehrend einer Medienkonferenz des SC Bern bekannt, am Montag, 19. Januar 2026 in der PostFinance Arena in Bern. Der Unternehmer Juerg Fuhrer wird sein Nac ...
Marc Lüthi geht in Pension.Bild: keystone

Der neue SCB-Chef steht vor einer historischen Herausforderung. Fast – aber nur fast – wie damals Marc Lüthi bei seinem Amtsantritt 1998. Der Unterschied: Lüthi musste den SCB nach einer Nachlassstundung wirtschaftlich neu aufbauen. Jürg Fuhrer übernimmt ein finanziell stabiles, gut organisiertes Unternehmen, das viel zu viel «Speck» angesetzt hat und vor allem im sportlichen Bereich eine Schlankheitskur – einen Bürokratie-Abbau – dringend benötigt. Er kann sich auf die SCB-Führung konzentrieren. Um die Stadionfrage kümmert sich Präsident Carlo Bommes.

Wird Signer zum «SCB-Brutus»?

Die Nachfolgeregelung ist intern nicht ganz ohne Brisanz. Eigentlich hatte sich COO Pascal Signer – heute zuständig für den ganzen Kommerz – als Kronprinz gesehen. Nun ist er übergangen worden. Wird Signer loyal bleiben oder zum «SCB-Brutus»?

Carlo Bommes geht davon aus, dass der innere Frieden bewahrt bleibt. Sein Wunsch in Gottes Ohr. Der Keim zu einer kernigen Büro-Intrige ist gelegt. Signer ist seine Herkunft zum Verhängnis geworden: Ein St.Galler, der beim EHC Kloten eine leitende Funktion hatte. Ein Ostschweizer mit dem Stallgeruch eines Zürchers kann nicht «Mister SCB» werden. Punkt.

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22 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Andreas Aebi
19.01.2026 13:46registriert Januar 2026
Lieber Chlöisu: Deine grosse Bibliothek in Ehren, aber literarisch bist du einfach zu eingleisig unterwegs. Gotthelf hat mit Konolfingen nix zu tun. Das ist der Ort, wo Friedrich Dürrenmatt aufgewachsen ist, und das war ein ziemlich weltläufiger Mann, den es in dieser Reihenfolge nach Bern, Neuenburg und in den Kosmos zog. Überhaupt ist Konolfingen keine Emnentaler Destination, sondern ein nach der Stadt ausgerichteter Pendlerort. Du klebst zu sehr an deinen Gotthelf-Schmökern. Liebe Grüsse aus Langnau.
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besserwisser#99
19.01.2026 13:29registriert September 2019
Dem neuen Chef direkt mal das Charisma abgesprochen: Sehr sympathisch. Der freut sich sicher auf viele Interviews mit dem Polemikmeister
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Tikkanen
19.01.2026 13:40registriert November 2014
...kenne den Fuhrer nicht, klar ist aber, dass er wie auch kein anderer den Sportmanager GOAT Lüthi zu ersetzen vermag. Oft wird vergessen, dass der SCB, den Lüthi damals übernahm, aufgrund x-jähriger Amigowirtschaft ala Bommes, Beyeler und Dallmayer komplett am Boden lag. Mit bewundernswertem Engagement formte Lüthi aus der Konkursmasse den erfolgreichsten Klub der Playoff-Ära. Lüthi war über Jahrezehnte schlicht der SCB, dass beim Vollgas Einsatz der eine oder andere mal angeschnauzt wurde, mindert seine Leistung keineswegs.

Item, merci für die viele schöne Momänt u mach's guet, Mister SCB!
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